Merkmale
Der Ziegenmelker ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Vogel mit einer braungrauen Tarnfärbung. Sein Gefieder ist fein gemustert und erinnert an Baumrinde oder trockenes Laub. Der Kopf ist groß mit auffallend großen, dunklen Augen. Der kleine Schnabel kann weit geöffnet werden, er ist von steifen Borsten umgeben, die beim Insektenfang als Fühlhaare dienen. Die Flügel sind lang und schmal, der Schwanz ist abgerundet. Im Flug erinnert der Vogel mit einer maximalen Flügelspannweite von bis zu 60 Zentimeter an eine kleine Falkenart. Das Rufen des Männchens klingt wie ein lang anhaltendes Schnurren.
Lebensweise
Der Zugvogel verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara. In Europa trifft er meistens im Mai ein und verlässt die Brutgebiete wieder im September. Tagsüber ruht er am Boden oder auf waagerechten Ästen, wobei er durch seine Färbung hervorragend getarnt ist. In der Dämmerung beginnt die Jagd. Der Vogel fliegt leise durch die Luft und fängt dabei Insekten mit weit geöffnetem Schnabel. Er jagt oft entlang von Waldrändern, Wegen oder Lichtungen.
Fortpflanzung
Im Frühsommer besetzt das Männchen ein Revier, dann lockt es das Weibchen durch sein Schnurren an und beeindruckt es mit seinen Flugkünsten. Das Weibchen legt zwei Eier direkt auf den Boden, meist auf sandigem Untergrund oder zwischen trockenen Blättern. Es baut kein Nest. Die länglich elliptischen Eier sind hell und mit dunklen Flecken versehen. Das Weibchen bebrütet hauptsächlich die Eier, während beide Eltern die geschlüpften Jungvögel füttern. Nach rund zwei Wochen unternehmen die Jungen schon die ersten Flugversuche, und nach fünf Wochen sind sie selbständig. Pro Jahr findet in der Regel nur eine Brut statt.
Familie der Nachtschwalben
Der Ziegenmelker ist der einzige europäische Brutvogel aus der Familie der Nachtschwalben. Diese bilden eine eigenständige Vogelfamilie, die durch ihre Lebensweise und Tarnfärbung einzigartig ist. Die Vögel sind auf das Dasein in der Dämmerung und Nacht spezialisiert und ernähren sich ausschließlich von Insekten, die sie im Flug erbeuten. Viele Arten besitzen Borsten an der Schnabelbasis, die beim Fangen von Insekten helfen. Durch ihr gemustertes Gefieder und ihre ruhige Haltung am Boden sind sie tagsüber kaum zu entdecken. Die Füße sind nur schwach ausgebildet, da die Vögel fast nie laufen, sondern fliegend jagen und am Boden ruhen.

