Die Ordnung der Taubenvögel Columbiforme ist nur durch eine Familie vertreten. Die Tauben kommen in mehr als 300 verschiedenen Arten in fast allen Gebieten auf der Erde vor. Fünf Arten findet man in Europa, sofern die Straßen- oder Haustaube als domestizierte Art der Felsentaube nicht dazu gerechnet wird. Auf dem relativ großen Körper der Taube sitzt ein eher kleiner Kopf, der beim Laufen vor- und zurückwackelt. Tauben sind sehr anpassungsfähig. Sie fressen pflanzliche Nahrung in großer Vielfalt. In einfach gebaute Nester werden ein oder zwei Eier gelegt. Die Jungen sind oft schon zwei Wochen nach dem Schlüpfen flugfähig. Während der Brut produzieren Tauben im Kropf ein fetthaltiges Sekret, die Taubenmilch oder Kropfmilch, die zum Füttern der Jungen dient. Tauben haben ein ausgezeichnetes Flugvermögen und einen hervorragenden Orientierungssinn.
Die Felsentaube ist die ursprüngliche Wildform der Straßentaube. Die am Bauch und Rücken einheitlich blaugraue Taube hat auf dem Rücken zwei dunkelgraue Flügelbinden und dunkle Flügel- und Schwanzenden. Der Bürzel ist weiß. Am Nacken schimmert das Gefieder metallisch grün oder rotviolett. Beim Männchen sind diese Farben mehr ausgeprägt. Die Felsentaube gurrt ähnlich wie die Straßentaube. Sie bewohnt felsige Inseln oder Meeresküsten am Mittelmeer oder auf den Kanarischen Inseln. Sie kommt aber auch im Gebirge vor. Mit einer lebenslangen Partnerin brütet sie immer am gleichen Ort in einer Felsspalte oder Höhle.

Straßen- oder Haustaube Columba livia f. domestica
Die Haustaube ist die domestizierte Form der sehr ähnlich aussehenden Felsentaube. Ihr Gefieder kommt aber in zahlreichen Farbvariationen vor. Es gibt ganz dunkle Tiere oder ganz helle, auch gescheckte kommen vor. Die Haustaube brütet fast nur unter Dachvorsprüngen oder in Mauernischen der Gebäude menschlicher Zivilisation und richtet dort große Schäden an. Sie tritt invasiv auf, der massenhaft produzierte Kot zerstört Dachziegel und fördert die Bildung von Schimmel. Geruchsbelästigungen und dauerhaftes Gurren machen sie nicht gerade zum Freund der Hausbesitzer und Bewohner. Die Haustaube hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten und ist gegen Störungen weitgehend immun. Das Männchen wirbt um das Weibchen durch Gurren, Verbeugen, aufgeblasenem Kropf und durch Schleifen des Schwanzes am Boden. Die Jungtiere sind ausgesprochen ortstreu und wollen an ihrem Geburtsort wieder brüten.

Türkentaube Streptopelia decaocto
Die Türkentaube wirkt schmaler als eine Haustaube, sie ist fast einheitlich hellgrau oder hellgraubraun gefärbt. Die Unterflügel sind weiß. Erwachsene Tiere haben einen schwarzen Halbring im Nacken. Die roten Augen sind von einem weißen Ring umgeben. Markant ist ihr nasaler, auf der zweiten Silbe betonter Ruf „Do-duh-du“, der in der Schweiz auch als Gross-mue-ter“-Ruf bekannt ist. Türkentauben sind erst ab 1930 nach Mitteleuropa aus dem Nahen Osten eingewandert. Aus diesem Grund wird sie im deutschsprachigen Raum so genannt. Die Türkentaube brütet zwar auch gerne in Städten, sie richtet dort aber im Gegensatz zur Haustaube keine Schäden an, weil sie weniger invasiv auftritt und meistens in den Astgabeln von Bäumen brütet. Nur eher selten sucht sie zum Brüten einen Dachbalken oder ein Futterhäuschen auf.
Der Körper der Ringeltaube ist im Verhältnis zum Kopf besonders massig. Das Gefieder erscheint schiefergrau. Am Kropf und im Brustbereich ist es rötlich gefärbt. Im Nacken und im Halsbereich befindet sich ein metallisches, grün glänzendes Band, das seitlich am Hals mit einem weißen Fleck abschließt. Die äußersten Flügelbereiche sind weiß, die vor allem im Flug als weißes Band sichtbar sind. Der Schnabel ist rot mit einer gelben Spitze. Das laute, mehrsilbige Gurren der Ringeltauben klingt dumpf und heiser. Ringeltauben brüten in offenen Landschaften oder Parkanlagen, das Nest befindet sich gerne auf Nadelbäumen. In den Städten brüten sie auch an Gebäuden.
Turteltaube Streptopelia turtur
Die Turteltaube ist eine kleinere Taube, die am Hals ein typisches schwarzes Streifenmuster aufweist. Die rostbraunen Flügel sind oben gefleckt, die Schwanzfedern sind dunkel gefärbt und haben eine helle Endbinde. Der Bauch erscheint cremeweiß, Hals und Oberbauch rötlich. Um das dunkle Auge befinden sich ein orangefarbener Ring und eine rötliche Haut. Das Gurren der Turteltauben hat ihnen den Namen gegeben, es ist ein dumpfes „Turr-turr“. Turteltauben haben sich vom Mittelmeer aus in Zentraleuropa in trockenen Gebieten ausgebreitet. Sie brüten in Hecken und kleineren Bäumen und bauen ein Nest aus Zweigen. Man findet sie in Obstgärten, Weinbergen oder offenen Landschaften.
Die Hohltaube ist eine Taubenart, die in Baumhöhlen brütet. Dazu sucht sie verlassene Nester des Schwarzspechts oder Nistkästen auf. Sie ähnelt einer Haustaube, sie hat aber wie die Ringeltaube einen farbigen Schnabel. Ihr Ruf ist ein dumpfes, zweisilbiges „Oh-Ruo“, wobei die erste Silbe betont wird. Die Hohltaube frisst Samen und Früchte, zum Beispiel Beeren, Eicheln oder Bucheckern, manchmal auch kleine Schnecken.