Eine
Zelle besteht nicht nur aus sichtbaren Strukturen wie
Zellmembran,
Zellkern oder Zellorganellen, sondern vor allem aus einer Vielzahl
chemischer Verbindungen. Diese Stoffe bilden die Grundlage aller
Lebensprozesse. Man kann sie nach ihrer chemischen Zusammensetzung in
verschiedene Stoffgruppen einteilen: Wasser, anorganische Ionen und
Moleküle sowie organische Verbindungen.
Wasser macht mit über zwei Drittel der Masse den
größten Anteil einer Zelle aus. Es ist das universelle
Lösungsmittel, in dem die meisten biochemischen Reaktionen
stattfinden. Wasser stabilisiert die Temperatur der Zelle, transportiert
gelöste Stoffe und ermöglicht die Ausbildung der typischen
räumlichen Strukturen vieler Biomoleküle durch
Wasserstoffbrückenbindungen. Neben Wasser kommen verschiedene
anorganische Ionen vor, darunter Natrium-, Kalium-, Calcium-,
Magnesium-, Chlorid-, Phosphat- und Hydrogencarbonat-Ionen. Diese
Ionen
regulieren den pH-Wert, beeinflussen elektrische Spannungen an
Zellmembranen und sind an der Aktivierung vieler Enzyme beteiligt.
Organische Stoffe haben den größten
funktionellen Anteil an der Zellsubstanz. Sie enthalten fast immer
Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome, oft auch Stickstoff-,
Phosphor- oder Schwefel-Atome. Zu den wichtigsten organischen
Stoffgruppen zählen die Kohlenhydrate, die Lipide, die Proteine
(Eiweiße) und die Nucleinsäuren.
Kohlenhydrate dienen vor allem als Energiequelle.
Einfachzucker wie Glucose werden in den Mitochondrien abgebaut, um ATP
zu gewinnen. Vielfachzucker wie Stärke (in Pflanzen) oder Glykogen
(in Tieren) sind Energiespeicher, während Cellulose und Chitin als
strukturbildende Stoffe vorkommen.
Zweifachzucker wie Saccharose oder Lactose spielen in der Zellchemie
selbst keine Rolle, sie werden schon bei der Verdauung durch Enzyme im
Dünndarm zu Einfachzuckern zerlegt. Maltose tritt in der Zellchemie nur als Zwischenprodukt auf.
Lipide sind unlöslich in Wasser, aber
löslich in unpolaren, organischen Lösungsmitteln. Sie bilden
die Doppelschicht der Zellmembran, sie dienen als Energiespeicher oder
sind Ausgangsstoffe für Hormone. Zu den Lipiden zählen Fette,
Phospholipide, Wachse und auch die Sterine wie Cholesterin.
Die Fette werden aus Glycerin und drei Fettsäuren unter
Wasserabspaltung gebildet. Das entstandene Triglycerid-Molekül ist
unpolar und damit nicht im Wasser löslich. Bei den Phospholipiden
ist eine der drei Fettsäurereste durch eine Phosphatgruppe mit
einem polaren Rest ersetzt: Die gleichzeitig vorhandene hydrophile und
hydrophobe Seite ermöglicht die Stabilität und die
Durchlässigkeit einer
Zellmembran.
Proteine werden auch Eiweiße genannt. Als
Protein wird (im engeren Sinn) ein Peptid bezeichnet, das aus mindestens
100 Aminosäuren in einer Kette aufgebaut ist. Proteine kommen in
jeder Zelle vor und sind an fast allen Prozessen beteiligt: Sie wirken
als
Enzyme, als Transportmoleküle, als
Baustoffe oder als Signalträger. Ihre enorme Vielfalt an Formen und
Funktionen beruht auf ihrem besonderen Aufbau mit den Aminosäuren
als Grundbausteine und der nahezu unendlichen Möglichkeiten einer
räumlichen Anordnung durch Faltung in Helices (Mehrzahl von Helix)
oder Faltblätter.
Nukleinsäuren wie
DNA und
RNA,
sind Träger und Vermittler genetischer Informationen. Die DNA
speichert die Erbinformation in Form von Genen, die RNA dient als
Botenmolekül oder übernimmt spezifische Aufgaben bei der
Protein-Biosynthese.
Neben diesen Hauptgruppen kommen in Zellen auch sekundäre Stoffe
vor, die nicht in allen Organismen gleich sind. Dazu gehören
Vitamine, Pigmente, Hormone und verschiedene Zwischenprodukte des
Stoffwechsels. Sie erfüllen spezielle Funktionen, etwa bei der
Photosynthese, der Signalübertragung oder der Abwehr von
Schadstoffen.
Hinweis: Fette, Kohlenhydrate und Proteine werden im >
Werk Chemie ausführlich behandelt. (Der Link funktioniert nur, falls das Gesamtwerk vorhanden ist).
Chemische Reaktionen in der Zelle
Das „Leben“ der Zelle beruht auf einer Vielzahl chemischer Reaktionen.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen aufbauenden (anabolen)
und abbauenden (katabolen) Prozessen. Dabei wird chemische Energie in
Form von ATP (Adenosintriphosphat) gewonnen, gespeichert oder
verbraucht. Beim Entladen des „Akkus“ entstehen unter Wasseraufnahme ADP (Adenindiphosphat) und eine freie Phosphatgruppe. Zellen betreiben neben der Energieumwandlung Aufbau, Umbau
und Abbau von Stoffen sowie Transport und Signalübertragung.
Katabole Prozesse
Die
Zellatmung ist der wichtigste katabole Prozess der
Zelle. Dabei wird die in der Glucose gespeicherte chemische Energie
schrittweise in ATP umgewandelt:
- 1. Bei der anaerob stattfindenden Glykolyse im
Cytoplasma wird Glucose ohne Beteiligung von Sauerstoff zerlegt und zu
Brenztraubensäure abgebaut. Die Energiegewinnung erfolgt hierbei
durch die Herstellung von ATP und NADH.
-
2. In den Mitochondrien werden die Produkte dann für den nachfolgenden Citronensäurezyklus vorbereitet, bei dem Kohlenstoffdioxid und weitere ATP-Moleküle produziert werden.
-
3. In der darauf folgenden Atmungskette (oxidative Phosphorylierung) an der inneren Membran der Mitochondrien wird dann der größte Teil an ATP (unter Wasserabspaltung) gewonnen.
Die Gesamtreaktion der Zellatmung lautet:
C6H12O6 + 6 H2O + 6 O2
6 CO2 + 12 H2O (+ Energie, ATP)
Die Zelle stellt einen „Energiespeicher“ in Form von einer maximal möglichen Ausbeute von
38 mol ATP pro Mol Glucose her, das entsprechen etwa 1159 kJ (bei
30,5 kJ pro Mol ATP). Bei einer Verbrennung von 1 Mol Glucose
könnten maximal 2870 kJ entstehen. Der Wirkungsgrad bei der Zellatmung liegt
also bei ungefähr 40 %, der Rest wird als Wärme
freigesetzt und genutzt. Das Coenzym NAD (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) spielt bei der Zellatmung eine bedeutende Rolle für den mobilen Austausch von Energie:
NAD
+ + 2 e
− + 2 H
+ 
NADH + H
+
Die oxidierte Form NAD
+
kann Elektronen aufnehmen, die reduzierte Form NADH trägt
Elektronen, sie stellt die „aufgeladene“, energiereiche Form dar.


Energieverbraucher benötigen ATP
Bei der
β-Oxidation, die ebenfalls in den
Mitochondrien stattfindet, werden Fettsäuren abgebaut. Dadurch ist
eine Energiegewinnung in Form von ATP aus Fetten möglich, zum
Beispiel wenn zu wenige Kohlenhydrate gegessen werden.
Bei der
Gärung wird Energie ohne Beteiligung von
Sauerstoff gewonnen. Wenn kein Sauerstoff vorhanden ist, kann die Zelle
die Atmungskette nicht nutzen. In diesem Fall erfolgt eine anaerobe
Energiegewinnung durch Gärung. Ein Beispiel dafür ist die
Milchsäuregärung
in den Muskelzellen. Sie ermöglicht kurzfristig die Bildung von
ATP, wenn zum Beispiel bei starker körperlicher Belastung ein
Sauerstoffmangel auftritt.
Zellen können in einem katabolen Prozess auch aus Proteinen Energie
gewinnen. Dies findet aber nur im absoluten Notfall beim starken
Hungern statt, da als Abfallstoff Ammoniak entsteht, das dann zur
Entgiftung im Harnstoffzyklus zu Harnstoff abgebaut wird. Langfristig
führt das zu Muskelabbau und zu Gewichtsverlust. Auch der
Alkoholabbau in der Leber ist ein kataboler Prozess, bei dem aber nicht
die Energiegewinnung im Vordergrund steht, sondern die Entgiftung des
dabei entstehenden Acetaldehyds.
Anabole Prozesse
Die
Photosynthese
(mit der Lichtreaktion und dem lichtunabhängigen
Calvinzyklus) ist der wichtigste anabole Prozess in lebenden Systemen.
Dabei wird Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt und in der
Glucose „gespeichert“. Weitere Beispiele für anabole Prozesse sind
der
Aufbau von DNA und RNA, die
Protein-Biosynthese, die Fettsäuresynthese im
glatten ER des Cytoplasmas oder der Aufbau von Glykogen in der Leber und den Muskelzellen, was durch das Hormon
Insulin aus der Bauchspeicheldrüse veranlasst wird.
Der Begriff „Anabolika“ bedeutet so viel wie „Stoffe des Aufbaus“. Diese
Stoffe sind zwar beim gezielten Aufbau von Proteinen und Muskelgewebe
als „Doping“ in Verruf geraten, sie werden aber auch in der Medizin bei
Muskelschwund oder schweren Verletzungen eingesetzt.


Kataboler oder anaboler Prozess?
Arbeitsaufgaben
1. Welche der vier Fotos oben zeigen katabole und welche anabole Prozesse?
2. Begründe und erläutere, welche Vorgänge stattfinden.
3. ATP und NADH gelten als „Akkus“ der Zelle. Warum? Worin unterscheiden sich die beiden?
4. Erläutere, warum die Phospholipide für eine Zelle eine geniale „Erfindung“ darstellen.
5. Wo werden Proteine hergestellt und wie funktioniert das?
6. Zähle mehrere Aufgaben der Proteine auf und erkläre die jeweilige Funktion.